Erik Klingenberg​ im Interview

"Heute vor 50 Jahren startete das legendäre Woodstock-Festival"

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50 Jahre Woodstock – Wo sind all die Hippies hin?

Der Wahl-Wiesbadener Erik Klingenberg war als 19-Jähriger in Woodstock – noch heute singt er in einer Doors-Tributeband.

Von Marie-Luise Raupach, Fotos von Samira Schulz

50 Jahre Woodstock – Vier Menschen aus der Region erzählen von ihren Berührungspunkten mit dem legendären Festival, das vom 15. bis 18. August 1969 stattfand. Auch einer der rund 400.000 Besucher von damals erinnert sich. Und wir verlosen Bildbände, die den Spirit von damals wieder lebendig werden lassen. „Alright Friends, you have seen the heavy groups, now you will see morning maniac music. Believe me, yeah, it’s a new dawn.” Mit diesen Worten eröffnete Grace Slick von The Jefferson Airplane ihren Auftritt bei Woodstock, der auf Grund von Verzögerungen anstatt Samstagabend am Sonntagmorgen stattfand. Es verdeutlicht die chaotischen Verhältnisse des dennoch friedlich ablaufenden Open-Air-Festivals „An Aquarius Exhibition – 3 Days of Peace & Music“. Reklame Woodstock beschreibt den Höhepunkt einer Protestbewegung in Amerika: Hippies, wie sie genannt wurden, setzten sich für Frieden und gegen den Krieg in der Welt ein und traten mit Idealen von Gemeinschaft, Liebe, Freiheit und Gleichberechtigung politischen Machtkämpfen entgegen. Das Festival wurde zum Sinnbild einer ganzen Generation, die ein Gemeinschaftsgefühl und den festen Glauben daran, in der Welt etwas zu bewegen, einte. 2019, fünfzig Jahre nach Woodstock denkt man zurück und fragt sich, ob es wieder Zeit wird: Mit den Friday- for-Future-Protesten scheint sich die Jugend wieder zu politisieren und zu aktivieren. So wie damals? Der Wahl-Wiesbadener Erik Klingenberg, gebürtiger US-Amerikaner und seit den Achtzigern in Deutschland lebend, war als 19-Jähriger dabei bei dem Festival, das rund um den Globus Bekanntheit erlangte. Mit nur zwanzig Dollar in der Tasche und ohne Eintrittskarte trampte er mit zwei Freunden von Virginia Beach nach Bethel und kam bereits ein paar Tage vor Beginn des Festivals beim Gelände an. Glück, wie sich im Nachhinein herausstellte. Er bekam einen Job vor Ort bei der Firma „Food for Love“, die dort Hot-Dog-Stände betrieb. Ebenso half er dabei, die Zäune aufzubauen und war letztendlich während des Festivals für die Sicherheit der Besucher zuständig. Trotz 18 Stunden Schichten, Regen und Auseinandersetzungen mit berauschten Gästen beschreibt er das Festival als ein „wunderschönes Erlebnis“, das heute noch Gänsehaut bei ihm hervorrufe. Der Konsum von LSD, Marihuana, Opium und Kokain habe für eine friedliche, manchmal sogar abgedrehte Atmosphäre gesorgt, die am Ende aber alle Besucher zusammenführte. So störten auch andauernder Regen und Sommergewitter nicht. Woodstock Festival Bethel, NY 1969. Photo By ©Elliott Landy, LandyVision Inc.Die einst grünen Wiesen des Farmers Max Yasgurs verwandelten sich in ein kriegsähnliches Gebiet. Massive Schlammschichten, darauf liegende, sitzende, stehende Menschen, Schlafsacklager. Als einen besonders außergewöhnlichen Moment erinnert der Wiesbadener Woodstock-Veteran sich an den Soloauftritt von Country Joe: Von einer Anhöhe betrachtete er die Bühne mit hunderttausenden Besuchern davor und Joe spielte „Feel Like I’m Fixin‘ To Die Rag“ – ein Protestlied gegen den Vietnamkrieg. Die gesamte Menschenmasse sang mit, fühlte mit, hielt zusammen. In diesem Moment sei der Spirit Woodstocks greifbar gewesen: es sollte einem Land gezeigt werden, dass die Jugend genug von Kriegen hat und sich vereint dagegen wehren wird. Am Ende blieb ein großes Chaos übrig, das nur durch viel Hilfe von Freiwilligen beseitigt werden konnte; auch Klingenberg blieb noch ein paar Tage länger und half beim Aufräumen. Am Ende bekam er zweihundert Dollar für seine Arbeit und war glücklich, sich den Bus nach Hause leisten zu können. 50 Jahre später sagt er von sich, dass noch vieles von dem 19-jährigen Jungen übriggeblieben sei. Er habe, auch mit ein bisschen mehr Lebenserfahrung, seine Ideale von damals beibehalten und freue sich zu sehen, wenn die heutige Jugend sich für etwas einsetze. Er selbst hält die Musik und den Spirit von einst bis heute selbst als Sänger am Leben, unter anderem am Mikro der anerkannten und bundesweit gebuchten The Doors-Tributeband „Morrison Hotel“.

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